Die Badische Staatskapelle ersetzt Schnittblumen durch KlimaBäume und hat so bereits die Pflanzung von über 192 Bäumen im ecuadorianischen Nebelwald ermöglicht. Wie diese Idee funktioniert und warum sie auch für andere Organisationen Vorbild sein kann, zeigen wir in diesem Beitrag.
Vom Konzertsaal in den Nebelwald
Der letzte Ton des Sinfoniekonzerts ist verklungen. Während die Musik noch im Saal nachhallt, bricht der Applaus los. Dirigent und Musikerinnen und Musiker nehmen ihn dankbar entgegen und verbeugen sich. Bevor das Orchester die Bühne des Badischen Staatstheaters verlässt und das Publikum den Konzertsaal räumt, wird dem Dirigenten und der Solistin eine kleine Papierrolle mit roter Schleife überreicht.
Anstelle eines Blumenstraußes als Zeichen des Dankes, hat sich die Badische Staatskapelle etwas anderes einfallen lassen. Unter dem Slogan „Mit jedem Konzert wächst der Wald“, erhalten Gastdirigenten und Gastdirigentinnen sowie Solistinnen und Solisten eine Urkunde für die Pflanzung eines Baums im Aufforstungsprojekt „Puntos Verdes“ in Ecuador. Entwickelt und realisiert wird das Projekt von der Karlsruher Energie- und Klimaschutzagentur (KEK) gemeinsam mit einem lokalen Team vor Ort. Seit 2023 ersetzt die Staatskapelle in ihren Sinfoniekonzerten Schnittblumen durch Baumpflanzungen und hat auf diese Weise bereits die Pflanzung von 192 Bäumen ermöglicht. Diese symbolische Geste entfaltet konkrete Wirkung.
Anstelle eines Blumenstraußes erhalten die mitwirkenden Gäste am Badischen Staatstheater eine Urkunde für die Pflanzung eines Baums im Aufforstungsprojekt „Puntos Verdes“, das von der Karlsruher Energie- und Klimaschutzagentur (KEK) umgesetzt wird.
Im ecuadorianischen Nebelwald, rund 90 Kilometer westlich von Quito, werden im Rahmen des Projekts „Puntos Verdes“ ehemalige Weideflächen mit einheimischen Baumarten aufgeforstet. Die Setzlinge stammen aus regionalen Baumschulen und werden über mehrere Jahre hinweg gepflegt. So entstehen artenreiche Mischwälder, die langfristig CO₂ binden, Lebensraum für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten bieten und zugleich lokale Arbeitsplätze sichern.
Die Pflanzung von KlimaBäumen im viele Tausend Kilometer entfernten ecuadorianischen Nebelwald auf einer ehemaligen Weidefläche.
Orchester des Waldes
Das Engagement der Badischen Staatskapelle wurde durch den Beitritt in den Verein „Orchester des Wandels“ ausgelöst. In diesem engagieren sich Berufsorchester aus ganz Deutschland für Natur- und Klimaschutz. Das Staatstheater Karlsruhe versteht Nachhaltigkeit dabei nicht als Zusatzprojekt, sondern als wesentliches Organisationsziel. Neben einer jährlichen Treibhausgasbilanzierung ist das Haus Mitglied im „Netzwerk Nachhaltige Kultur Karlsruhe“ und arbeitet spartenübergreifend daran, ökologische Verantwortung fest im Theaterbetrieb zu verankern. Für das Festival „FLOW – Tage der Nachhaltigkeit“, im Rahmen dessen unter anderem zahlreiche Baumurkunden überreicht wurden, erhielt das Staatstheater Karlsruhe 2023 den OPUS KLASSIK Innovationspreis für Nachhaltigkeit.
„Schön an der Situation im Staatstheater Karlsruhe ist, dass, neben der bereits bestehenden Nachhaltigkeits-AG, mittlerweile das gesamte Theater, von der Leitungsebene bis zu den einzelnen Sparten und Abteilungen, das Thema unterstützt und es dadurch erst in diesem Umfang ermöglicht“, sagt Heinrich Gölzenleuchter, Posaunist der Badischen Staatskapelle.
Auch Anna Haas, Transformationsmanagerin Nachhaltigkeit Kultur am Staatstheater Karlsruhe, betont: „Als Theaterschaffende können wir die Herausforderungen der Klimakrise als Chance begreifen und die Transformation hin zu einer nachhaltigeren Gesellschaftsform mit vorantreiben. Unsere größte Ressource ist die Kreativität, Neues auszuprobieren.“
Für das Festival „FLOW – Tage der Nachhaltigkeit“, in dessen Rahmen unter anderem zahlreiche Baumurkunden überreicht wurden, erhielt das Badische Staatstheater 2023 den OPUS KLASSIK Innovationspreis für Nachhaltigkeit.
Die Baumurkunden werden von den Gästen laut dem Staatstheater mit spürbarer Wertschätzung angenommen. Zwar reagieren manche zunächst überrascht über diese besondere Form des Dankes, doch die Resonanz ist durchweg positiv. Einige Dirigentinnen und Dirigenten haben inzwischen eine kleine „Baum-Sammlung“ aufgebaut. Generalmusikdirektor Georg Fritzsch erhielt bisher den größten Anteil am neu gepflanzten Wald. Seine Urkunden verschenkt er nach den Konzerten an Mitglieder der Badischen Staatskapelle weiter. So wird aus einer symbolischen Geste ein wachsender Gedanke, der im Orchester weitergetragen wird.
„Unsere Konzerte sind ein wachsender Beitrag für Nachhaltigkeit und Klimaschutz. Die Gäste der Sinfoniekonzerte reagieren positiv überrascht auf die Baumurkunden. Einige andere Häuser haben diese Initiative, die sie bei uns kennenlernen konnten, für sich ebenfalls übernommen“, so Oliver Kersken, Orchesterdirektor der Badischen Staatskapelle.
Das Beispiel des Badischen Staatstheaters zeigt, wie sich kulturelle Wertschätzung und konkreter Klimaschutz auf einfache Weise verbinden lassen. Mit jedem Konzert wächst tatsächlich ein Stück Wald. Damit wird die Idee gestärkt, dass auch andere Organisationen aktiv zur nachhaltigen Transformation beitragen können.
Sie möchten selbst einen KlimaBaum verschenken?
Wenn auch Sie das Aufforstungsprojekt „Puntos Verdes“ in Ecuador unterstützen und einen KlimaBaum verschenken möchten, finden Sie weitere Informationen auf dieser Website. Sie können uns auch direkt unter klimafonds@kek-karlsruhe.de kontaktieren.
Über den Karlsruher Klimafonds entwickelt und realisiert die KEK seit Jahren Aufforstungsprojekte in Ecuador. Ende letzten Jahres fand im „El Cortijo Bambusa“ in San Miguel de Los Bancos ein Workshop zum Thema Aufforstung mit einheimischen Baumarten statt. Nach über zehn Jahren praktischer Erfahrung in der Wiederaufforstung des ecuadorianischen Nebelwaldes wurde das gesammelte Wissen an Interessierte weitergegeben. Alle 25 Plätze waren in kurzer Zeit vergeben.
Organisiert und geleitet wurde der Workshop von Nico, Majo und Pedro, dem lokalen Aufforstungsteam der KEK in Los Bancos. Seit vielen Jahren begleiten sie die Projekte vor Ort und brachten ihre umfassende Erfahrung direkt in den Workshop ein.
Pünktlich um 9 Uhr versammelten sich die Teilnehmenden in einem halboffenen Raum, der vollständig aus Bambus errichtetet wurde. Der Veranstaltungsort wurde von Roberto, dem Besitzer der Finca „El Cortijo Bambusa“ und Kooperationspartner der KEK, gebaut und zur Verfügung gestellt. Durch die unmittelbare Nähe zur Aufforstungsfläche Milpe war der Ort ideal gewählt, da der Praxisteil am Nachmittag dort stattfinden sollte.
Der Workshop-Auftakt fand in einem halb offenen komplett aus Bambus gebauten Raum neben der Aufforstungsfläche Milpe statt.
Nach einer kurzen virtuellen Begrüßung durch Dr. Anne Held, Geschäftsleiterin der KEK, begann der inhaltliche Teil des Workshops. Den Auftakt machte Pedro, der die Aufforstungsarbeiten seit ihren Anfängen vor über zehn Jahren begleitet. Anhand des Umweltzentrums Mindo Lindo berichtete er von seinen Erfahrungen und stellte ein von ihm selbst entwickeltes und umgesetztes Aufforstungskonzept vor. Heute ist kaum noch vorstellbar, dass sich auf dem Gelände einst eine baumlose Viehweide befand.
Im Anschluss präsentierte Forstingenieur Nico die Aufforstungsprojekte der KEK. Insgesamt wurden bereits über 70 Hektar Fläche in fünf Projektgebieten aufgeforstet. Er vermittelte fundiertes Wissen zur Anzucht von Setzlingen, zum Aufbau von Baumschulen sowie zur sorgfältigen Planung und Umsetzung der Projekte. Dabei spannte er den Bogen von der Vermessung der Flächen vor der Pflanzung bis zur jahrelangen Pflege der jungen Bäume. Ergänzend dazu gab die Buchhalterin Majo einen Einblick in die Kostenstruktur und die finanzielle Organisation der Projekte.
Nico vermittelte viel Wissen über die Anzucht von Setzlingen, den Aufbau von Baumschulen und die Planung und Umsetzung von Aufforstungsprojekten.
Nach der Mittagspause ging es in zwei Gruppen hinaus zur Aufforstungsfläche Milpe. Bei der Exkursion konnten die Teilnehmenden verschiedene Baumarten direkt vor Ort kennenlernen und das am Vormittag vermittelte Wissen in der Praxis erleben. Dabei blieb es nicht beim Zuschauen. Es wurden Pflanzkreise angelegt und Setzlinge eigenhändig gepflanzt.
Nachmittags konnten die Teilnehmenden die Aufforstungsfläche Milpe besuchen und Gelerntes bei Pflanzübungen direkt in die Praxis umsetzen.
Die offene Atmosphäre führte zu lebhaften Diskussionen. Es wurden viele weiterführende Fragen gestellt, dass die Zeit kaum ausreichte, um alle ausführlich zu beantworten. Ein Teilnehmer hob besonders die wertschätzende Dynamik des Workshops hervor, in der jede Frage willkommen war. Diese Vielfalt spiegelte sich auch in der Zusammensetzung der Gruppe wider. Landwirtinnen und Landwirte aus Los Bancos, Schülerinnen und Schüler einer lokalen Fachschule, Teilnehmende aus größeren Städten wie Quito und Ibarra sowie zwei Professoren ecuadorianischer Universitäten konnten hier gemeinsam ihr Wissen erweitern.
Zum Abschluss eines intensiven und lehrreichen Tages erhielten alle Teilnehmenden ein Teilnahmezertifikat. Sowohl die Organisatorinnen und Organisatoren als auch die Teilnehmenden waren sich einig, dass der Workshop ein voller Erfolg war. Der Wunsch nach weiteren Veranstaltungen in diesem Format wurde vielfach geäußert. Dieser Eindruck bestätigte sich auch in der anonymen Evaluation. Hundert Prozent der Teilnehmenden würden den Workshop weiterempfehlen, und 95 Prozent gaben an, in naher Zukunft selbst eine Aufforstungsaktivität durchführen zu wollen.
Am Ende des Workshops erhielten alle Teilnehmenden ein Teilnahmezertifikat.
Anfang März 2024 erreichte das Projektteam der Karlsruher Energie- und Klimaschutzagentur (KEK) eine spannende Nachricht. Nicanor Mejía, Mitglied des Aufforstungsteams auf ecuadorianischer Seite, hat eine bisher unbekannte Baumart auf der neuesten Aufforstungsfläche „La Esperanza“ entdeckt. Vom bisher größten Aufforstungsvorhaben der KEK auf dem Grundstück „La Esperanza“ haben wir bereits im August 2024 berichtet.
Unsere Projektleiterin Julia Ohmes wollte mehr über die Hintergründe erfahren: Wie kam es zu dieser Entdeckung? Wie wurde daraus eine wissenschaftliche Publikation? Und was steckt sonst noch dahinter?
Nicos Artenkenntnisse der ecuadorianischen Flora sind eine große Bereicherung für die Aufforstungsprojekte.
Wo hast Du den Baum entdeckt?
Der Fund erfolgte im Sektor Pueblo Nuevo im Kanton San Miguel de los Bancos in der Provinz Pichincha in Ecuador. Ich war gerade in einem Nebelwaldgebiet auf etwa 1560 Metern Höhe unterwegs; innerhalb des Aufforstungsprojekts „La Esperanza“, das von der KEK in Kooperation mit der Artenschutzstiftung Zoo Karlsruhe realisiert wird. Es handelt sich um eine Umgebung mit großer Artenvielfalt.
Wie kam es zur Entdeckung der neuen Baumart?
Ich musste ein paar Aufgaben im Gelände im Rahmen des Aufforstungsprojekts „La Esperanza“ erledigen. Ich ging einen Pfad entlang, der durch eine Schlucht führt, als ich einen Baum bemerkte, der durch seine großen Blätter und seine ungewöhnliche Form auffiel. Ich näherte mich und stellte fest, dass es sich um eine Passiflora (Passionsblume) handelte. Dies war auffällig, denn die meisten Arten dieser Gattung sind Lianen und keine Bäume. Zu diesem Zeitpunkt hatte der Baum weder Blüten noch Früchte. Trotzdem machte ich Fotos und konsultierte den Botaniker Xavier Cornejo der Universität Guayaquil, der vermutete, dass es sich um eine neue Art handeln könnte. Einen Monat später kehrte ich an diesen Ort zurück und fand den Baum in voller Blüte vor.
Wie bist Du zu der Auffassung gekommen, dass es sich tatsächlich um eine noch unbekannte Art handelt?
Die Kombination der Merkmale war eindeutig: Der Baum hat eine Höhe von bis zu 15 Metern, besitzt keine sichtbaren Ranken, glatte, ganze Blätter, große Blüten (7–8 cm Durchmesser) und fast kugelförmige Früchte mit einer blassgrünen Oberfläche. Keine der in Ecuador bekannten Passiflora-Arten weist diese Merkmale auf, nicht einmal innerhalb der Untergattung Astrophea, zu der sie gehört.
Die neue Baumart wurde auf der Aufforstungsfläche „La Esperanza“ entdeckt.
Welche besonderen Merkmale besitzt die neue Passiflora und wie unterscheidet sie sich zu verwandten Arten?
Bei der neuen Passiflora handelt es sich um einen hohen Baum ohne Ranken mit gut ausgebildeten Ästen. Die Blätter sind ganzrandig, unbehaart und eiförmig mit einer blassen Unterseite. Die Blüten sind groß und weiß, die Früchte rund mit einer grünlich weißlichen Oberfläche. Im Vergleich zu anderen ähnlichen Arten wie P. magnoliifolia und P. emarginata zeichnet sich diese durch ihre größere Größe, glatten Früchte und ihr Vorkommen ausschließlich in den nordwestlichen Anden Ecuadors aus.
Wieso habt ihr euch für den Artnamen Passiflora dendroidea entschieden?
Der Name dendroidea stammt aus dem Griechischen dendro- (Baum) und -oidea (ähnlich) und bezieht sich auf seinen baumartigen Wuchs, der für die Gattung Passiflora ungewöhnlich ist.
Wie wurde aus der Entdeckung eine wissenschaftliche Beschreibung?
Als ich den Baum einen Monat nach der ersten Entdeckung wieder besucht habe, hat er geblüht. Nun konnte ich Material wie Blätter, Blüten und Früchte sammeln und mit Exemplaren aus dem Herbarium vergleichen. In Zusammenarbeit mit anderen Fachleuten erstellten wir eine detaillierte Beschreibung gemäß dem Internationalen Kodex für botanische Nomenklatur. Schließlich wurde die Art im April 2025 in der Zeitschrift Phytotaxa veröffentlicht. Von der ersten Begegnung mit dem Baum am 24. Februar 2024 bis zur offiziellen Veröffentlichung im April 2025 ist also etwas mehr als ein Jahr vergangen.
Rechts: Nico vor einem Exemplar des neu entdeckten Passiflora Baums
Welche Methoden habt ihr genutzt, um die Art zu klassifizieren?
Wir haben detaillierte morphologische Analysen von Blüten, Blättern und Früchten durchgeführt, Vergleiche mit Typusexemplaren in Herbarien angestellt, Literaturrecherchen gemacht und Tools wie ArcGIS und GeoCAT eingesetzt, um die Verbreitung zu kartieren und den Erhaltungszustand nach den Kriterien der IUCN (International Union for Conservation of Nature) zu bewerten.
Wie ist der Erhaltungszustand der neuen Passiflora Art?
Sie ist vom Aussterben bedroht. Obwohl mehrere Populationen in Reservaten wie El Cedros, Mindo und Intillacta gefunden wurden, ist ihre Verbreitung begrenzt und fragmentiert. Die Besiedlungsfläche wird auf nur 32 km² geschätzt, weshalb vorgeschlagen wurde, sie gemäß den Kriterien der IUCN als gefährdet (VU für vulnerabel) einzustufen.
Ist die Passiflora Deine erste Entdeckung einer neuen Baumart?
Nein. Passiflora dendroidea ist die zweite neue Art, die ich entdeckt habe. Die erste war Capparidastrum estrellae, ein Baum ebenfalls aus dem Nordwesten Ecuadors. Diesen Baum habe ich 2021 im Rahmen eines anderen Aufforstungsprojekts mit der KEK entdeckt und im Nachgang wissenschaftlich beschrieben .
Wie bist Du zu dem Experten für ecuadorianische Gehölze geworden, der Du heute bist?
Meine Ausbildung im Bereich Forstwirtschaft hat dazu geführt, dass ich angefangen habe Bäume aus ökologischer, taxonomischer und restaurativer Sicht zu studieren. Ich arbeite schon seit Jahren im Feld, insbesondere im Westen Ecuadors. So kann ich direkte Erfahrungen mit der einheimischen Flora sammeln.
Was treibt Dich als Botaniker an – was motiviert Dich?
Mich motiviert mein Interesse die Artenvielfalt der Anden- und Tropenökosysteme zu erforschen, zu dokumentieren und zu schützen. Die Identifizierung neuer Arten ermöglicht es, ihre Existenz anzuerkennen und technische, sowie wissenschaftliche Argumente für ihren Schutz zu liefern.
Glaubst Du, es gibt noch viele unentdeckte Baumarten im ecuadorianischen Nebelwald?
Ja. Trotz der Fortschritte in der Botanik sind viele Gebiete des Nebelwaldes noch wenig erforscht. Die Wahrscheinlichkeit, neue Arten zu finden, insbesondere in wenig untersuchten Gruppen oder abgelegenen Gebieten, ist nach wie vor hoch.
Welche Relevanz hat die Artenvielfalt für uns als Gesellschaft und wie können wir diese Vielfalt besser schützen?
Die biologische Vielfalt ist für die Erhaltung des Lebens und des menschlichen Wohlergehens von entscheidender Bedeutung. Sie versorgt uns mit sauberem Wasser, Nahrungsmitteln, sauberer Luft und wichtigen ökologischen Dienstleistungen wie Bestäubung, Klimaregulierung und Bodenbildung. Im Zusammenhang mit der ökologischen Wiederherstellung bedeutet der Schutz der Biodiversität, die Funktionsfähigkeit der Ökosysteme wiederherzustellen, die Widerstandsfähigkeit gegenüber dem Klimawandel zu verbessern und nachhaltige Lebensgrundlagen für die Gemeinden zu sichern. Um dies zu erreichen, ist es notwendig, wissenschaftliche Erkenntnisse mit praktischen Maßnahmen vor Ort zu kombinieren, die Umwelterziehung zu fördern und öffentliche Maßnahmen umzusetzen, die Naturschutz und Entwicklung miteinander verbinden.
Die Reisebranche steckt seit Beginn der Pandemie in einer Krise. Trotzdem entschied sich das Karlsruher Unternehmen Hirsch Reisen im Sommer 2021, einen weiteren Schritt in Richtung Nachhaltigkeit zu gehen. Seit fast einem Jahr bietet das Unternehmen nun auch die CO2-Kompensation ihrer Reisen an. Gemeinsam haben wir eine erste Bilanz gewagt.
Nachhaltigkeit sei für das Familienunternehmen schon immer ein wichtiges Thema gewesen, erzählt uns der Nachhaltigkeitsbeauftragte Stefan Simonis. Hirsch Reisen legt zum Beispiel Wert auf Ökostrom in den eigenen Räumlichkeiten, klimaneutralen Versand und darauf, dass die Reisedauer und der Aufenthalt vor Ort in einem vernünftigen Verhältnis zur Entfernung des Reiseziels stehen. Neu ist, dass nun auch Kund*innen sich engagieren können: Seit Juni haben Buchende die Möglichkeit, die CO2-Emissionen ihrer Reise freiwillig über die Klimaschutzprojekte unseres Klimafonds zu kompensieren.
Die Resonanz ist gut: Mehr als die Hälfte der Reisenden zahlt freiwillig den Beitrag für die Kompensation, ein Spitzenwert, auf den Hirsch Reisen mit Recht stolz ist. „Dieser hohe Wert zeigt eindrucksvoll das Verantwortungsbewusstsein unserer Kunden“, so Geschäftsführer Mathias Hirsch. Trotzdem möchte Hirsch Reisen den Wert weiter steigern.
Wie hoch der Kompensationsbeitrag ist, ermittelt KEK-Bilanzierungsexpertin María Gagliardi-Reolon für alle Reisen bereits im Voraus. „Die Reisenden bekommen so eine Vorstellung davon, wieviel CO2 eigentlich ausgestoßen wird. Das schafft Bewusstsein.“, erklärt sie. Neben der Kompensation schließt die Zusammenarbeit zwischen KEK und Hirsch Reisen weitere Themen mit ein. Nach dem Motto „Walk the talk“ setzt sich das Unternehmen auch für die Sensibilisierung des eigenen Teams ein: So rückte die KEK im Rahmen zweier interaktiver Workshops die Themen Klimaschutz, Klimakommunikation und Kompensation in den Mittelpunkt. Anschließend wurden die Klimaschutzprojekte des Klimafonds gemeinsam unter die Lupe genommen, um auch während der Beratungsgespräche im Reisebüro kompetent beraten zu können.
Darüber hinaus findet ein reger Austausch zwischen den zwei Kooperationspartnern statt, der für beide Seiten wertvoll ist. Die KEK bekommt Einblicke in zentrale klimarelevante Fragen aus der Reisebranche und Hirsch Reisen erhält Zugang zur Expertise der KEK.
Vor zwei Jahren absolvierte Jakob sein Auslandssemester in Ecuador und kam durch Zufall zu unseren Wiederbewaldungsprojekten bei Mindo. Bis vor kurzem machte er ein Praktikum in unserem Büro in Karlsruhe, um die andere Seite der Aufforstungsprojekte kennenzulernen. Hier berichtet er von seinem Arbeitsalltag im Nebelwald und bei der KEK.
Es ist Mitte Dezember 2019 und der Wecker klingelt. Mit der senkrecht steigenden Sonne wird es zügig hell und ringsherum beginnt das Leben des Tages im dichten Wald. Meine Kommilitonin Luna und ich befinden uns in den West-Anden Ecuadors auf rund 1.700 m über dem Meeresspiegel und ziemlich genau auf Höhe des Äquators. Durch die vom Pazifik kommenden Wolken, die an den Bergen hängen bleiben, entsteht hier das einzigartige Ökosystem Nebelwald.
Wir machen uns für unseren heutigen Arbeitstag im Feld bereit, frühstücken, ziehen unsere Gummistiefel an und packen die wichtigsten Arbeitsutensilien ein: die Regenjacke (es regnet im Laufe des Tages fast immer), Sonnenschutz (sobald die Wolken weiterziehen wird es heiß) und die Machete (sie ist für fast jede Arbeit im Tropenwald eine Hilfe). Vor dem Holzhaus, in dem wir untergebracht sind, treffen wir Pedro. Er leitet die Aufforstungsprojekte der KEK bei Mindo in Ecuador und ist unser Praktikumsbetreuer. Zusammen mit ihm stellen wir uns an die Landstraße und warten auf den nächsten Bus. Da es hier keine festen Bushaltestellen und Abfahrzeiten gibt, haben wir manchmal Glück und es kommt direkt ein Bus, dem wir zuwinken, oder wir nutzen die Wartezeit, um den Tag zu besprechen.
Aktuell gibt es viel zu tun, denn auf einer der Aufforstungsflächen wird die nächste Pflanzung vorbereitet. Mit einem kleinen Team sind wir aktuell dafür zuständig, die kleinen Baumsetzlinge vom Anfang des Geländes an der Straße zu den Pflanzflächen zu transportieren. Etappenweise schieben und tragen wir mehrere tausend Bäumchen auf Pfaden und durch kleine Flüsse in dem bergigen Gelände. Auf den Pflanzflächen bereiten weitere Arbeiter*innen schon Pflanzkreise vor, indem sie das widerspenstige Weidegras mit der Machete kürzen, sodass die Bäumchen nicht überwachsen werden. Auch nach der Pflanzung stehen regelmäßige Pflegemaßnahmen an und das Wachstum der Bäume wird im Monitoring (zunächst alle 2, später alle 5 Jahre) kontrolliert und notiert. Auch dabei haben wir auf weiteren wiederbewaldeten Flächen, auf denen die Bäume schon etwas größer sind, bereits geholfen. Nach der körperlichen Arbeit im Feld sind wir abends erschöpft und freuen uns auf warmes Essen und eine Dusche.
So sah ein typischer Arbeitsalltag in den Wiederbewaldungsprojekten bei Mindo aus. Nur durch Zufall kamen Luna und ich vor gut zwei Jahren dort hin: Wir waren nach Ecuador in ein Naturschutzreservat gereist, um ein praktisches Auslandssemester für unser Studium International Forest Ecosystem Management zu absolvieren. Aufgrund schwieriger Umstände suchten wir aber kurz nach Beginn eine andere Praktikumsstelle. Ohne das zu wissen, hatte meine Schwester im Karlsruher Zoo eine Infotafel über ein Aufforstungsprojekt in Ecuador entdeckt und schickte mir ein Foto. So kamen wir zur Aufforstung bei Mindo, die über den Karlsruher Klimafonds organisiert und finanziert wird. Nach unserer Zeit in Südamerika wollte ich auch die deutsche Seite des Klimafonds und weitere Projekte der KEK kennenlernen und habe mich deshalb für ein Praktikum beworben.
Es ist Mitte Februar 2022 und der Wecker klingelt. Auf meinem Stockwerk im Studierendenwohnheim rührt sich noch nichts und ich löffle verschlafen mein Müsli. Ich packe mich warm ein und hole mein Fahrrad aus dem Schuppen. Die Wintersonne lässt sich Zeit und am Horizont wird es nur langsam hell, doch die ersten Vogelstimmen kündigen schon das Frühjahr an. Ich freue mich über die gut ausgebauten Radwege und fahre vorbei am schönen Schloss und über den Marktplatz – schon bin ich am Büro der KEK angelangt.
Als Erstes stelle ich den Lastenkarle – ein elektrisches Lastenrad, das sich jede*r ausleihen kann – aus dem Hinterhof vor das Beratungszentrum und gehe dann hoch zu den Büroräumen. Im ersten Stock begrüße ich Maria, die bereits am Schreibtisch sitzt. Mit ihr habe ich aktuell am meisten zu tun, da sie die Projekte des Karlsruher Klimafonds leitet. Da gerade neue Aufforstungsflächen in Ecuador organisiert werden und im März die nächste Reise dorthin stattfindet, stehen zurzeit viele Aufgaben an. Von einem externen Gutachter sollen die Aufforstungsprojekte Mirador, Saloya und La Elenita geprüft und zertifiziert werden und neue Flächen mit dem Aufforstungsteam begangen werden.
In Meetings und persönlichen Gesprächen bekomme ich einen genaueren Einblick in die Projektplanung und unterstütze bei der Vorbereitung von Projektdokumenten und Pflanzplänen für die Zertifizierung. Die meisten Organisationsarbeiten finden am Schreibtisch und PC statt, was durch die aktuellen Pandemie-Beschränkungen noch verstärkt wird. Dementsprechend sind hier statt wasserfesten Gummistiefeln und geschärfter Machete eine intakte Internetverbindung und die richtig-verkabelten, technischen Geräte mit gut organisierten Kalendern und Ordnerstrukturen wichtig.
Da ich auch mit einigen anderen Mitarbeiter*innen zu tun habe, bekomme ich immer wieder Einblick in die vielen Bereiche der KEK wie z.B. die Öffentlichkeitsarbeit, das Beratungszentrum oder die Arbeit mit städtischen Einrichtungen. Regelmäßiges Postwegbringen, Flyerverteilen in der Stadt, Umweltbildung in Schulen oder Beratungen rund um Photovoltaik, Gebäude und E-Mobilität sind eine gute Abwechslung zur Schreibtischarbeit. Nach der Arbeit sind mein Kopf und Rücken erschöpft und ich freue mich auf Bewegung an der frischen Luft und mit jeder Woche auf ein bisschen mehr Sonne.